Sicher segeln: Ein praktischer Leitfaden für die Sicherheit auf der Adria
Die Adria ist, gemessen an den Standards des Hochseesegelns, ein relativ ruhiges Meer. Die Entfernungen sind kurz, es gibt viele Häfen, das Sommerwetter ist meist mild, und Hilfe – in Form der kroatischen Küstenwache, der ACI-Marinas und einer aktiven Segelgemeinschaft – ist selten weit entfernt. Das sind gute Voraussetzungen. Sie sind aber auch gelegentlich die Quelle einer gewissen Selbstgefälligkeit, die Menschen in Schwierigkeiten bringt.
Sicherheit auf dem Wasser hat nichts mit Angst zu tun. Es geht um Respekt – vor dem Meer, vor dem Boot, vor den Menschen an Bord. Eine gut vorbereitete Crew auf einer gut ausgerüsteten Yacht ist eine Crew, die mit allen Herausforderungen der Adria umgehen kann und hinterher noch eine gute Geschichte erzählen kann. So wird Ihre Crew zur richtigen Zeit.
Die Sicherheitseinweisung: So geht's richtig
Bevor Sie am ersten Morgen den Hafen verlassen, versammeln Sie alle an Deck – auch die erfahrenen Segler und die Besserwisser – und gehen Sie das Boot gemeinsam durch. Wo ist der Rettungsring? Wo sind die Seenotsignale und wie funktionieren sie? Wie wird die Rettungsinsel ausgelöst? Wo ist der Erste-Hilfe-Kasten? Wie legt man eine Rettungsweste an und befestigt sie? Wo ist der Gasabsperrhahn? Wie setzt man einen Notruf über UKW ab? Diese Fragen lassen sich klar und einfach beantworten. Die Kommunikation dauert nur 15 Minuten, die Beantwortung kann unter Stress aber Stunden dauern. Nehmen Sie sich die 15 Minuten Zeit.
Rettungswesten und Gurte: Tragen, nicht verstauen
Segeln im kroatischen Sommer ist warm und gesellig, und die Versuchung, die Rettungswesten in der Tasche zu lassen, ist groß. Widerstehen Sie dieser Versuchung, wenn es die Bedingungen erfordern. Nachts, bei Wind, beim Überqueren einer Schifffahrtsstraße oder bei schlechter Sicht – Rettungswesten anlegen, Gurte schließen. Kinder müssen immer Rettungswesten tragen, wenn sie sich im Cockpit aufhalten; ohne Ausnahme, ohne Diskussion. Moderne aufblasbare Rettungswesten sind so bequem, dass es kaum eine Ausrede gibt, sie nicht zu tragen. Wenn ein Crewmitglied bei Tageslicht und ruhiger See über Bord geht, ist das ein beherrschbarer Notfall. Dasselbe Ereignis bei Nacht, 25 Knoten Wind und unruhiger See ist eine ganz andere Sache.
Wetter: Jeden Morgen prüfen, dann nochmal!
Der Kroatische Meteorologische und Hydrologische Dienst (DHMZ) veröffentlicht auf meteo.hr detaillierte Vorhersagen für jede Küstenzone, die zweimal täglich aktualisiert werden. Die Website ist auch auf Englisch verfügbar. Windy.com und PredictWind werden ebenfalls häufig von Charterseglern in der Adria genutzt und sind in der Regel für 24- bis 48-Stunden-Vorhersagen zuverlässig. Gewöhnen Sie sich an, vor dem Frühstück nachzusehen. Und mittags noch einmal. Die Bora, wie Ihnen jeder erfahrene Adriasegler bestätigen wird, hat schon so manchen überrascht – nicht weil die Vorhersagen sie komplett verfehlt haben, sondern weil die Segler nicht nachgesehen oder nur einmal geschaut und angenommen haben, der Tag würde so weitergehen wie er begonnen hat.
Seenotrettung: 195 (Kroatien)
Allgemeine europäische Notrufnummer: 112
Speichern Sie die Notfallnummer Ihres Charterunternehmens immer in Ihrem Telefon.
Mann-über-Bord-Übung
Jede Crew sollte mindestens eine Mann-über-Bord-Übung durchführen, bevor es zum Ernstfall kommt. Werfen Sie einen Fender über Bord, markieren Sie die Position und steuern Sie das Boot dorthin zurück. Stoppen Sie die Zeit. Besprechen Sie, wer welche Aufgaben hat: Wer steuert, wer die Person im Wasser im Auge behält und wer eine Leine zum Auswerfen vorbereitet. Die Abläufe einer erfolgreichen Mann-über-Bord-Rettung sind einfach, müssen aber verinnerlicht sein, bevor das Adrenalin ins Spiel kommt. Charterunternehmen sollten fragen, ob Sie eine Übung durchgeführt haben. Falls Ihre Anleitung das nicht vorsieht, führen Sie trotzdem eine durch.
Feuer, Wassereinbruch und die Gasanlage
Die meisten Zwischenfälle auf Charterbooten, die sich zu echten Notfällen ausweiten, betreffen Feuer oder Wassereinbruch. Meistens liegt die Ursache in menschlichem Versagen. Überprüfen Sie die Gasanlage vor jedem Kochen: Öffnen Sie die Absperrventile nur bei Bedarf und schließen Sie sie sofort wieder. Lassen Sie eine Gasflamme niemals unbeaufsichtigt. Wissen Sie, wo sich der Feuerlöscher und die Löschdecke befinden. Bei Wassereinbruch: Wissen Sie, wo sich die Borddurchlässe befinden und wie man sie verschließt. Wissen Sie, wo sich der Schalter für die Bilgepumpe befindet und überprüfen Sie die Bilge jeden Morgen. Das sind keine exotischen seemännischen Fertigkeiten – es sind einfache Gewohnheiten, die jeweils nur dreißig Sekunden dauern und ein großes Risiko minimieren.
Kommunikation und Dokumentation
Vor jeder Abfahrt sollten Sie Ihren geplanten Törnplan bei einer Person hinterlegen, die Ihre Nichterscheinen bemerkt – beispielsweise im Zielhafen oder durch eine kurze Nachricht an einen Freund an Land. Bewahren Sie alle Dokumente in einem wasserdichten Beutel auf: Reisepass, Bootspapiere, Versicherungsunterlagen und Chartervertrag. Das UKW-Funkgerät muss während der Fahrt auf Kanal 16 eingestellt sein; dies ist nicht nur eine gute Praxis, sondern in kroatischen Gewässern gesetzlich vorgeschrieben. Ein persönlicher AIS-Transponder ist eine kleine Investition, die Sie für größere Schiffe in stark befahrenen Schifffahrtsrouten und für die Küstenwache sichtbar macht, falls Sie einmal gefunden werden müssen.
All dies sollte Segeln nicht zu einer ernsten Angelegenheit machen. Das Meer belohnt gute Vorbereitung mit Freiheit – der Freiheit, weiter zu fahren, länger auf See zu bleiben und anspruchsvollere Törns mit Zuversicht anzugehen. Sicherheit ist nicht der Feind des Abenteuers. Sie ist die Voraussetzung für Abenteuer. Bereiten Sie sich sorgfältig vor, segeln Sie mutig, und die Adria gehört Ihnen.