Die schönsten Ankerplätze in Kroatien: Wo man ankern und nie wieder ablegen möchte.
Es gibt diesen Moment, den jeder Segler kennt. Der Motor verstummt. Die Ankerkette gleitet ins klare Wasser. Das Boot schaukelt sanft in Position, und plötzlich ist nur noch das leise Plätschern der Wellen am Rumpf und, irgendwo in der Ferne, der Schrei einer Möwe zu hören. In Kroatien erlebt man diesen Moment an Orten von so atemberaubender Schönheit, dass es fast unwirklich erscheint.
Mit über 1.200 Inseln, Inselchen und Riffen, die sich über fast 600 Kilometer Küste erstrecken, bietet die kroatische Adria eine Fülle an Ankerplätzen. Einige sind berühmt und wurden schon vor langer Zeit von Charterseglern entdeckt, die ihre Geheimnisse weitergaben. Andere bleiben ein Geheimtipp, den man nur engsten Vertrauten anvertraut. Hier entführen wir Sie zu Orten, die sich einen festen Platz in den Logbüchern all jener erobert haben, die das Glück hatten, sie zu entdecken.
Stiniva-Bucht, Insel Vis
Sie werden Stiniva schon von Weitem hören. Die Klippen ragen so steil empor, dass die Einfahrt – kaum mehr als ein schmaler Felsspalt – vom Meer aus unmöglich erscheint. Manövriert man langsam hindurch, öffnet sich die Bucht zu einem perfekten Oval aus tief türkisfarbenem Wasser, umgeben von Felswänden, die die Welt um einen herum vollständig ausblenden. Einst zu einem der schönsten Strände Europas gewählt, ist Stiniva ein Ort, der selbst erfahrene Segler dazu bringt, ihre Kameras zu zücken. Ankern Sie in 5–10 Metern kristallklarem Wasser und verbringen Sie den Nachmittag mit stillem Schwimmen. Kommen Sie am besten morgens oder am frühen Abend – im Juli legen die Ausflugsboote mittags an.
Luka-Bucht, Insel Mljet
Mljet ist eine der am meisten unterschätzten Inseln Kroatiens. Allein der Nationalpark – ein dicht bewachsenes Kap, das zwei Salzwasserseen umschließt – ist schon Grund genug, die Fahrt von Dubrovnik nach Süden anzutreten. Die Bucht von Polače bietet ideale Ankerplätze für ein Dutzend Boote und mehr. Nur wenige Schritte landeinwärts erreichen Sie die Seen und das berühmte kleine Inselkloster, das in jedem Licht ein malerisches Fotomotiv bietet. Die Wälder hier sind so dicht und still, dass ein Abendspaziergang sich anfühlt wie eine Reise in ein anderes Jahrhundert.
Pakleni-Inseln, Hvar
Unweit der mondänen Stadt Hvar liegt der Pakleni-Archipel, eine Ansammlung kleiner, bewaldeter Inseln mit den einladendsten Buchten der mitteldalmatinischen Küste. Palmižana ist das gesellschaftliche Zentrum – ein geschützter Yachthafen mit guten Ankerbojen, einem bekannten Gartenrestaurant und einem Strand, der die unbeschwerte Lebensfreude der Urlauber widerspiegelt. Wer es ruhiger mag, segelt ein Stück weiter nach Vinogradišće oder Stipanska, wo man vor einem Kieselstrand ankern und kaum ein anderes Boot sehen kann. Die Nähe zur Stadt Hvar ermöglicht es Ihnen, mit dem Beiboot zum Abendessen überzusetzen und vor Mitternacht wieder an Bord zu sein.
Proversa Mala, die Kornaten
Der Nationalpark Kornaten zählt zu den spektakulärsten Segelrevieren im Mittelmeer – ein Labyrinth aus 89 kahlen Kalksteininseln, geformt durch Jahrtausende der Karsthesoden. Die schmale Meerenge von Proversa Mala, die Kornat und die äußere Inselkette verbindet, ist eine der prägendsten Passagen des kroatischen Segelsports. Ankern Sie in der kleinen Bucht an ihrer Mündung bei Sonnenuntergang und beobachten Sie, wie das Licht den hellen Felsen von Weiß über Bernstein zu Rosa färbt. Hier gibt es keine Hotels und keine Restaurants in fußläufiger Entfernung. Nur Stein, Meer und Himmel – und ein Himmel, der nach Einbruch der Dunkelheit so sternenklar ist wie seit Jahren nicht mehr.
Luka Stara, Insel Lastovo
Lastovo ist die Insel am Ende der Welt – oder zumindest fühlt es sich so an. Ganz im Süden Kroatiens gelegen und so abgelegen, dass die meisten Charterrouten sie nicht anlaufen, belohnt sie diejenigen, die die Überfahrt wagen, mit einem seltenen Geschenk: der Adria, wie sie vor vierzig Jahren war. Luka Stara ist eine lange, schmale Bucht zwischen bewaldeten Hügeln, völlig vor Wellengang geschützt, mit einem so ruhigen Untergrund, dass man unabhängig von der Wettervorhersage ruhig schlafen kann. Am Ende der Bucht befindet sich eine kleine Konoba, die das serviert, was am Nachmittag vom Grill kommt. Bestellen Sie den Fisch und eine Karaffe Wein aus der Region.
Kroatiens Ankerplätze sind mehr als nur Schlafplätze. Sie sind der eigentliche Sinn der Reise – das Ziel, getarnt als Zwischenstopp. Jeder einzelne erzählt Ihnen etwas über diese Küste: ihre Geologie, ihre Geschichte, das besondere Licht am Ende eines Segeltages. Werfen Sie den Anker, schenken Sie sich etwas Kühles ein und lassen Sie sich inspirieren. Die Adria hat viel zu erzählen.